3300 v.Ch. Ötzi

In den Ötztaler Alpen wurde im September 1991 eine Gletschermumie entdeckt. Ötzi - wie der Tote bald genannt wurde - wurde auf 3210 m Meereshöhe in einer Felsrinne gefunden. Noch im Jahr 1922 als die Grenze zwischen Österreich und Italien (Südtirol) festgelegt wurde, lag die Mumie unter einer 20m dicken Eisschicht verborgen. Moderne Messungen datieren die Lebenszeit von Ötzi auf eine Zeit zwischen 3350 und 3100 v. Chr. Die Pyramiden von Gizeh wurden erst 600 Jahre später erbaut.

Ötzi war nicht nur ein Bogenschütze, der einen 1,82m langen unfertigen Bogenstab aus Eibenholz zusammen mit 14 Pfeilen und Geweihspitzen mit sich trug, er wurde wohl auf der Flucht durch einen Pfeilschuss in den Rücken getötet. Erst im Jahr 2001 fand man bei der Auswertung einer Röntgenaufnahme eine Pfeilspitze aus Feuerstein. Der Pfeil war aus größerer Entfernung  abgeschossen worden, durschlug das linke Schulterblatt und verletzte eine Schlagader. Ob Ötzi durch diese Pfeilwunde oder durch eine weitere Verletzung an der Schläfe ums Leben kam, kann nicht mehr geklärt werden.

 

Noch nach 5000 Jahren wurde Ötzis Bogen aufrechtstehend an einer Felswand gefunden. Der noch unfertige Bogenrohling war aus einem Eibenstamm gearbeitet. Einen dazugehörigen Köcher hatte der Mann noch vor seinem Tod auf eiiner Steinplatte abgelegt. Der rechteckige Fellsack aus Gämsenfell enthielt 2 schussfertige und 12 unfertige Pfeile. Die unfertigen Schäfte sind 84-87 cm lang und aus den Ästen des wolligen Schneeballs gefertigt. Die beiden fertigen Pfeile hatten eine Spitze aus Feuerstein, die mit Birkenteer und einer Fadenumwicklung am Schaft befestigt war. Die Befiederung war dreiteilig und mit Birkenteer und einer Umwicklung von Nesselfäden am Schaft befestigt.

 

aus dem Bogensport Magazin Nr. 5, Oktober 2012

 

1178 v. Chr. Odysseus

Τῇ δ' ἄρ' ἐπὶ φρεσὶ θῆκε θεὰ γλαυκῶπις Ἀθήνη, κούρῃ Ἰκαρίοιο, περίφρονι Πηνελοπείῃ, τόξον μνηστήρεσσι θέμεν πολιόν τε σίδηρον ἐν μεγάροισ’ Ὀδυσῆος, ἀέθλια καὶ φόνου ἀρχήν.

 

Aber Ikarios' Tochter, der klugen Penelopeia, gab Athene, die Göttin mit blauen Augen, den Rat ein, dass sie den Freiern den Bogen und blinkende Eisen zum Wettkampf in dem Palast vorlegte, und zum Beginne des Mordens. 

 

 

Die Übersetzung des Originals von Homer kann man bei Gottwein nachlesen.

Homer beschreibt in der "Odyssee", die im 8. Jhdt. v. Chr. geschrieben wurde, den berühmten Bogenwettkampf, durch den Penelope, die Gattin des verschollenen Helden Odysseus, seinen Nachfolger auswählen möchte.

"Wer ihn am leichtesten spannt und durch die Löcher von zwölf hintereinander aufgestellten Äxten hinschnellt, dem will ich folgen als sein Gemahlin ...".

Penelope tut dies wohlwissend, dass nur Odysseus selbst in der Lage ist, die Bogenprobe zu bestehen.  Es handelt sich dabei nicht um einen normalen Wettbewerb, bei dem auf ein Ziel geschossen wird, sondern der Pfeil muss durch die Öhren von zwölf hintereinander aufgestellten Äxten geschossen werden. Keinem der Freier gelingt es, jedoch den Bogen auch nur zu spannen.

 

Was wissen wir über diesen Bogen?

Aus Homers Text geht hervor, dass Odysseus den Bogen in Lakedaimon (Sparta) von Iphitos, Eurytos' Sohn als Gastgeschenk bekommen hatte. Iphitos hatte den Bogen von seinem Vater geerbt, den dieser wiederum von Apollon erhalten hatte. (Quelle)

Der Bogen des Odysseus ist also ein Bogen des göttlichen Bogenschützen Apollon!

Da muss man von übermenschlicher Kraft ausgehen. Die Wurfkraft diese Bogens lag sicher bei 150 - 200lbs !

 

Die Aufgabe

Einen Pfeil durch 12 hintereinander liegende Schussfenster - die Löcher der Äxte - zu schießen ist aus zwei Gründen besonders schwierig:

  1. der Pfeil folgt einer ballistischen Kurve, d.h. nur bei einer kurzen Zielentfernung bzw. einem Bogen mit großer Wurfkraft verläuft diese Kurve flach und nähert sich einer Geraden an. Das ist bei Odysseus' Bogen sicher gegegeben, da keiner der Freier in der Lage ist, ihn zu spannen.
  2. ein Pfeil verbiegt sich beim Abschuss entsprechend seiner Steifigkeit (Spine) und schwingt mit einer stehenden Welle.Das ist bei dem vermutlich sehr kleinen Schussfenster eine weitere Schwierigkeit.

Leider gibt es keine Hinweise auf die Entfernung, in der die Äxte aufgestellt wurden. Immerhin findet die Bogenprobe der Penelope im Saal satt. Vermutlich kann man von einem Abstand von 0,5 - 2 Metern ausgehen. Auch auf die Größe des Schussfensters gibt es wenig Hinweise. In den Übersetzungen ist von Löchern aber auch von Öhren die Rede. In der o.g. Übersetzung von Gottwein ist beschrieben, wie Teleamchos die Äxte aufstellt (Hom.Od.21,124):

 

Hierauf stellt' er die Eisen im ausgegrabenen Estrich alle zwölf nach der Reih, und nach dem Maße der Richtschnur, Stampfte die Erde dann fest; und alle staunten dem Jüngling, Wie gerad' er sie stellte; da er's doch nimmer gesehen.  ...

 

Das deutet darauf hin, dass die Äxte ohne ihre Stiele mit der Schneide eingegraben werden und das Schussfenster durch die Augen gebildet wird, durch die die Axtstiele geführt werden.  Dann befindet sich die Schusslinie allerdings sehr dicht über dem Boden. Odysseus führt den Schuss dann auch im sitzen aus...

 

In der Nacherzählung von Gustav Schwab: 

 

"Jetzt war auch Penelopes Zeit gekommen. Sie nahm einen schönen Schlüssel aus Erz mit elfenbeinernem Griffe zur Hand und eilte damit, von Dienerinnen begleitet, in eine ferne Hinterkammer, wo allerlei kostbare Geräte des Königs Odysseus aus Erz, Gold und Eisen aufbewahrt waren. Unter andern lag hier auch sein Bogen und der Köcher voller Pfeile, beides Geschenke eines lakedaimonischen Gastfreundes. Als Penelope die Pforte aufgeschlossen, schob sie die Riegel zurück. Diese krachten, wie ein Stier im Felde brüllt, die Türflügel öffneten sich, und Penelope trat ein und musterte die Kästen, wo Kleider und Geräte verwahrt lagen. Da fand sie auch Bogen und Köcher an einem Nagel hängen, streckte sich und nahm beide herab. Der Schmerz überwältigte sie, sie warf sich auf einen Stuhl, und Bogen und Köcher auf dem Schoße, saß sie lang in Tränen da. Endlich erhob sie sich; die Waffen wurden in eine Lade gelegt, mit welcher ihr die Dienerinnen folgten. So trat sie mitten unter die Freier in den Saal, ließ Stille gebieten und sprach: »Wohlan, ihr Freier, wer mich erwerben will, der gürte sich, es gilt jetzt einen Wettkampf! Hier ist der große Bogen meines erhabenen Gemahls: Wer ihn am leichtesten spannt und durch die Löcher von zwölf hintereinander aufgestellten Äxten hinschnellt, dem will ich folgen als sein Gemahlin, will diesen Palast meines ersten Gatten mit ihm verlassen.« ...

 

"Odysseus aber beschaute sich den Bogen von allen Seiten, ob in der langen Zeit die Würmer nicht das Holz zernagt hätten und sonst etwas an ihm gebräche; und unter den Freiern sprach wohl ein Nachbar zu dem andern: »Der Mann scheint sich auf den Bogen nicht übel zu verstehen! Hat er wohl selbst einen ähnlichen zu Hause, oder will er sich einen darnach bilden? Seht doch, wie ihn der Landstreicher in den Händen hin und her dreht!«

 

Nachdem Odysseus den gewaltigen Bogen von allen Seiten geprüft, spannte er ihn nur leichthin, wie der Sänger die Saiten eines Lautenspiels, griff mit der rechten Hand in die Sehne und versuchte ihre Spannkraft. Diese gab einen hellen Ton von sich, wie das Zwitschern der Schwalbe. Die Freier alle durchzuckte ein Schmerz, und sie erblaßten. Zeus aber donnerte vom Himmel mit heilvoller Vorbedeutung. Da faßte Odysseus mutig den Pfeil, der auf dem Tische, aus dem Köcher geschüttet, vor ihm lag, faßte den Bogen, zog die Sehne und die Kerbe und schnellte, mit sicheren Augen zielend, den aufgelegten Pfeil ab. Keine Axt verfehlte der Schuß: der Pfeil flog vom vordersten Öhr hindurch bis aus dem letzten. Dann sprach der Held: »Nun, der Fremdling in deinem Palaste hat dir keine Schande gebracht, Telemach! Meine Kraft ist noch ungeschwächt, sosehr mich die Freier verhöhnt haben. Jetzt aber ist es Zeit, daß wir den Achaiern den Abendschmaus geben, noch eh es Nacht wird, dann folge Lautenspiel und Gesang und was sonst noch das festliche Mahl erfreuen mag.« 

 

aus Gustav Schwab, Sagen des klassischen Altertums 3. Teil, Odysseus

 

 

 

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